4. Fall - Böses Erwachen

Ausschnitt : Merkwürdiges Verhalten von Romina

Ich ließ den BMW zurück und rannte mit langen Schritten den Seitenstreifen entlang. Romina war schon hinter der nächsten Kurve verschwunden. Ich erreichte die Kurve ebenfalls und riskierte einen Blick. Gerade noch rechtzeitig, um zu erkennen, dass Romina zum Hintereingang des Hauses trabte, in dem sie wohnte. Verwundert schüttelte ich den Kopf. Langsam wurde mir die Angelegenheit zu absurd. Wozu diese Spielereien? Steckte sie in ernsthaften Schwierigkeiten - wurde sie von jemandem überwacht?
Ich schlich zur Hintertür, die wegen eines defekten Schlosses stets offen war. Das Licht im Flur war eingeschaltet und die Schritte, die die Treppe hinauf stiegen, gehörten sicher zu Romina. Sie wohnte im zweiten Stock, wie ich wusste. Ich atmete noch einmal durch, bevor ich die Tür leise aufschob.
Im Flur hielt ich kurz den Atem an. Es waren keine Schritte mehr zu hören, Romina demnach vor ihrer Wohnung angekommen. Ich vermisste nur das typische Geräusch eines Schlüssels. Kein Klimpern, kein Drehen im Schloss - nichts! Mit lautlosen Schritten hastete ich hinauf. Im ersten Stock angekommen, nahm ich etwas Tempo heraus, auf der Hälfte zwischen eins und zwei blieb ich ganz stehen. Ich konnte Romina sehen, sie stand noch vor ihrer Tür, nahezu regungslos. Weshalb?



© Christian Günther

aus dem Roman Böses Erwachen